Ein- und Durchführung psychischer Gefährdungsbeurteilungen

Psychische Anforderungen steigen - der Gesetzgeber definiert neue Mindeststandards- Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen.

Die schon seit den neunziger Jahren geltenden Arbeitssicherheits-Auflagen zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung) wurden 2013 deutlich erweitert: Jetzt sind Durchführung und Dokumentation von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen für alle Unternehmen verpflichtend vorgeschrieben. Auch Kleinbetriebe müssen jetzt das Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung und die daraufhin beschlossenen Maßnahmen des Arbeitsschutzes nachweisen.

Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen geht ein gutes Stück über bisherigen, hauptsächlich technisch definierten Arbeitsschutz hinaus: Beurteilt werden hier auch subjektive Faktoren, wie die individuell empfundene Belastung und Stressfaktoren. Grundsätzlich geht es um Anforderungen und Einwirkungen, die auf den Menschen psychisch wirken. Das schließt mentale, geistige, emotionale und soziale Aspekte mit ein. Hinzu kommen Einwirkungen aus der Arbeitsumgebung auf die Sinnesorgane, wie Licht, Gerüche oder Geräusche.
Quantität und Qualität der Belastungsfaktoren, aber auch die Möglichkeiten zu ihrer Bewältigung bestimmen schlussendlich die Gefährdung der Beschäftigten bei eine bestimmten Tätigkeit. Die Einbezug der Beschäftigten bei der Beurteilung ihrer Arbeit ist deshalb Grundvoraussetzung für eine Beuteilung und vor allem für eine rechtssichere Bewertung und Dokumentation der Ergebnisse einer Datenerhebung.

Felder

Die systematische Gefährdungsbeurteilung umfasst die Bereiche

  • Arbeitsumgebung,
  • Arbeitsmittel einschließlich Software,
  • Arbeitsaufgaben,
  • Arbeitsorganisation und Arbeitszeit und
  • soziale Beziehungen bei der Arbeit.

(GDA Leitlinienpapier für die Aufsichtstätigkeit der Arbeitsschutzbehörden und die Handlungshilfen der Arbeitsschutzinstitutionen).

Die Beurteilung ist nach Art der Tätigkeit vorzunehmen, das erfordert eine Festlegung der typischen Tätigkeiten bzw. Arbeitsplätze im Betrieb.

Vorgehen

Im Einzelnen sind folgende Schritte zu planen und umzusetzen:

  1. Festlegen von Tätigkeiten/Bereichen, für die die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden soll,
  2. Ermittlung der psychischen Belastung der Arbeit,
  3. Beurteilung der psychischen Belastung,
  4. Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen (falls erforderlich),
  5. Kontrolle der Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen,
  6. Aktualisierung/Fortschreibung der der Gefährdungsbeurteilung im Falle geänderter Gegebenheiten,
  7. Dokumentation und Aktualisierung der Dokumentation

 

 

Analyseverfahren

Psychische Belastungen lassen sich mit den folgenden Methoden analysieren

  • Checklisten für die Erfassung der Arbeitssituation und der Einwirkungsfaktoren für Führungskräfte, Experten und oder Beschäftigte
    Sie dienen der Grobanalyse und Erfassung erster Hinweise auf mögliche Belastungen. Ergänzend können neben Krankenstandsdaten, Fälle des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und Informationen über Arbeitsrückstände, Fehlerquoten oder Fluktuation Hinweise über Belastungsschwerpunkte geben.

  • Schriftliche anonyme Befragungen per Fragebogen
    Die Beurteilung der Belastungsfaktoren erfolgt durch die Beschäftigten. Je nach Umfang des Fragebogens kann die Arbeitssituation mehr oder weniger differenziert erfasst werden. Kürzere Fragebogen können als Grobanalyse für einen ersten Überblick sorgen.

  • Mündliche Befragungen in Interviews oder Gruppengesprächen durch einen geschulten Interviewer bzw. Interviewerin und Moderatoren
    Die Beurteilung der Belastungsfaktoren erfolgt durch die Interviewten. Die Erarbeitung der Ursachenzusammenhänge und Hinweise auf Verbesserungen sind möglich. Das Verfahren ist sinnvoll in ausgewählten Bereichen zur Feinanalyse einsetzbar, in kleineren Betrieben auch flächendeckend in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen. In Kleinstbetrieben ist ein moderiertes Gruppengespräch mit der gesamten Belegschaft denkbar.

  • Gesundheitszirkel nach dem Berliner Modell
    Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erarbeiten mit Hilfe geschulter, neutraler Moderation die psychischen Belastungsfaktoren, Ursachen und Verbesserungsvorschläge über mehrere Sitzungen hinweg. Ein Gesundheitszirkel ist ein Instrument der Feinanalyse

  • Teilnehmende Beobachtung der Arbeitssituation durch Experten mit Befragung von Beschäftigten und Führungskräften
    Die Beurteilung erfolgt durch außenstehende Experten auf der Grundlage des wahrgenommenen Geschehens, weiterer Informationen (z.B. Krankenstände) und der Aussagen von Befragten. Die Verfahren wird zur Feinanalyse an ausgewählten Arbeitsplätzen eingesetzt.

 

Zur sicheren Umsetzung ist ein durchdacht geplanter Prozess notwendig für den vor allem gilt,

  • dass die Unterstützung durch die Führungsebenen sicher gestellt wird
  • Führungskräfte beteiligt sind
  • Beschäftigte informiert und beteiligt werden
  • eine sinnvolle Typisierung von Tätigkeiten oder Arbeitsplätzen vorgenommen wurde
  • angemessene und zielgerichtete Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung abgeleitet werden
  • die Maßnahmenumsetzung gut und effizient gesteuert wird und
  • Maßnahmen auf Wirksamkeit geprüft werden

Wir unterstützen Sie in Fragen der Einführung und der praktischen Umsetzung durch Antwort auf diese Fragen:

  • Welche rechtliche Vorgaben und Bedingungen müssen eingehalten werden?
  • Welche Form der Analyse ist passend und sinnvoll für Ihr Unternehmen?
  • Wie können Durchführung und Auswertung kostengünstig gestaltet werden?
  • Welche Beteiligte sind gefordert und wie werden sie im Prozess eingebunden?
  • Welche Ergebnisse sind zu erwarten und was ist daraus abzuleiten?

Wir bieten Ihnen hierfür

  • Vorträge, Workshops und Schulungen für Durchführende und Beteiligte
  • Begleitung der Durchführung auf Basis individueller Anforderungen, zum Beispiel Mentoring
  • Beratung in Form punktueller Information zu einzelnen Fragestellungen
  • Einführung von Analyseinstrumenten und Einzelauswertung
  • Durchführung von Interviews, Workshops, Begehungen

Die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen gestalten wir bei Bedarf auch in Kooperation mit dem auf Organisation- und Durchführung von Mitarbeiterbefragungen  spezialisierten Dienstleister LOGIT Management Consulting

und der Hahnzog Organisationsberatung


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